Hardeners Legende

Im Wald, da sind die Drachen, sie qualmen aus dem Rachen…

Die Nyx ritt den Drachen und gab ihm die Sporen.
Das Drachenblut färbte die Abendwolken rosa. Das Geheimnis tropfte auf die Blätter des Waldes und die Nacht zog auf.
Der sterbende Drache kroch in eine Höhle tief unter die Welt. Da jedoch Drachen und Legenden niemals sterben, waren da drei Eier.
Ein kleines grünschimmerndes, ein mittleres blauschillerndes und ein großes von glänzendem Orange.
Als der Morgen heraufzog wärmte der Atem des sterbenden Drachen die Welt:
»Schlaft meine Kleinen,  träumet süß!«
Dann kam ein langer, harter Frost und der Körper des toten Drachen und die Eier gefroren für lange Zeit.
Sie waren tief unter der Erde in dunkler kalter Nacht gefangen.
Doch wie es so ist,- nichts dauert ewig.
Oben auf der Erde wuchs der Wald und obwohl die Drachenmutter tot, vergessen und gefroren war, durchdrang ihr Wesen diesen Ort und dieser Wald wurde besonders. Die Sonne schien nach langer Zeit und eine blaue Blume durchdrang die Kruste und um sie her sprossen ihre Kinder: »Erzähl uns eine Geschichte, Mutter!«, bettelten sie.
Und weil die Blaue Blume, wie alle Mütter, alle Geschichten kennt – auch die frostigen und auch die gruseligen – erzählte sie den Blümchen, die Legende von der toten Drachenmutter, Ainan und den verlassenen Eiern, die tief im Berg gefroren waren.
 »Sind die kleinen Eier tot?«, fragte die Kleinste, die Blaueste, die immer ihre Blätter zur Sonne streckte.
 »Den Tod gibt es doch nicht wirklich. Was denkst du denn, du kleiner Fratz?« Die Mutter lachte.
»Davon erzählt man doch nur den kleinen Setzlingen, wenn sie abends ihre Knospe nicht zuklappen wollen.«
Die Kleinste aber schüttelte sich und ein Wind kam auf.
»In mir ist aber so etwas und es will heraus Mutter. Ich weiß auch nicht.«
»Ach Knöspchen, so etwas gibt es doch nicht. Wir sind Blumen: Wir wachsen und wir stehen und wir vergehen irgendwann. Was soll da in dir sein?«
»Wenn ich s doch sage! Die Geschichte hat etwas verändert. Ich will nicht, dass der Babydrache tot ist! Ich will nicht, dass die Drachen-Mama tot bleibt.«
 
»Sie schlafen und nun lass gut sein! Du bist eine Blume und sonst nichts. Du bist ein kleines, blaues Blümchen. Basta!«
Alle Blumen wiegten sich im Wind und schlossen bald ihre Knospen.
Nur die Eine, die Kleinste sah hoch zum tiefblauen Himmel, sah den Mond und im Wald zwinkerte sie den hellen Augen der Nachttiere zu.
Da tat sie etwas Unglaubliches, dass noch keine wirklich sehr, sehr kleine, blaue Blume vor ihr getan hatte: Sie weinte.
Und die Zeit wurde neu und ihr Geist wurde weit und umfasste den Wald und die Welt.
 »Ich bin etwas ganz Besonderes: Ich bin nicht eine kleine, blaue Blume. Ich bin die Blaue Blume.«
 Obwohl sie so leise gesprochen hatte, wie nur eine kleine, blaue Blume sprechen konnte, hörte sie der Wind. Er rüttelte sie und nahm die leisen Wörter und trug sie mit sich fort.
 »Und ich will nicht, dass der Drache tot bleibt.«
Der Wind war sehr laut und die Blaue Blume musste kräftig schreien, damit sie sich selbst verstand. Denn nur das ist letztendlich wichtig.
 
Der Wind trug die lauten Worte mit sich fort: »…nicht, dass er tot bleibt…, nicht, dass er tot bleibt…tot bleibt…«
 Ein paar Fetzen trug der Wind in eine dunkle Höhle tief unter die Welt.
Die Tränen der Blauen Blume sickerten in die Erde und tropften auf ein Ei.
 Tropf…tropf…!!! Klopf…klopf!!!
 Die Blaue Blume war sehr traurig und sie weinte viel. Doch als der Mond orange und der Himmel violett wurden, da war sie müde und ließ den Kopf hängen.
Unten in der Höhle war es wärmer geworden. Die heißen Tränen hatten alles verändert und das kleine, Drachenherz entzündet.
Wäre jemand da gewesen, er hätte gesehen, wie es hinter der Schale rot-golden glomm:
»Wer ist da?«, fragte der Drache:
»Komm doch herein. Ich bin so einsam!« 

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