Die Legende von der Feuerbohne

                Die Legende von der Feuerbohne

 

 

Nachdem Hardener mit Zuzu das Fliegen gelernt hatte, durchstieß er einige fluffige Wolken die stoben wie Badeschaum um ihn her.

»Schau mal Zuzu, was ich kann! Huuuiiiii!«

Und Zuzu nickte: »Hardener, du bist ein Super-Flieger!«

»Du Zuzu?«

»Ja?«

»Wo ist eigentlich meine Mama?«

Zuzu flog zu ihm hin. Der kleine Drache schaute traurig drein und ging tiefer: »Meinst du, sie ist auch blau?«

»Vielleicht!«

»Weil die Blauen sind die Bestesten!«

Zuzu lachte ein bisschen.

Sie streiften die Baumwipfel und landeten. Von einer Anhöhe stieg dichter Rauch in den Nachthimmel.

Hardener schniefte: »Das schnüffelt!« er zog die Drachen-Schnauze hoch.

»Ich würde eher sagen, es stinkt!«

»Stinkt pfui, pfui!«

»Ja, sehr pfui!«

»Du Zuzu, es tut mir alles so leid, dass der Berg brennt und so.«

In Hardeners Augen traten dicke Tränen.

Zuzu legte ihren Fledermausflügel um den jungen Drachen: »Es war ja keine Absicht!«

»Ja«, sagte der Drache und machte sich klein. »Eigentlich kann ich gar kein Feuer machen.«

»Aber der Berg brennt!«

»Das war aus Versehen! Du Zuzu, bist du meine Freundin?«

»Ja, ich bin deine Flug-Freundin.«

»Und ist das gut. Das ist sogar noch besserer, fast als ob es blau wäre.« Zuzu drückte Hardener ganz fest.

Immer noch ließ Hardener den Kopf hängen: »Aber Zuzu, warum hat meine Mama mich denn verloren?«

Zuzu war eine sehr weise[1] Fledermaus. Sie sagte: »Hardener, manchmal ist es leider so, dass wir gerade die Dinge, die wir unbedingt festhalten wollen Verlieren!«

Hardener sah Zuzu fest an: »Und hast du auch einmal etwas verloren, was du festhalten wolltest?«

Plötzlich brannte in Zuzus Herz das Bild von Fledel.

Sie flüsterte: »Ja!«

Die Fledermaus wusste, dass Hardener sehr wohl ein Feuermacher war.

Hardener gähnte. »Aber Zuzu, was mache ich denn, wenn meine Mama kommt und mag mich nicht, weil ich den Berg angezündet habe?«

»Nie im Leben!« Das meinte Zuzu ernst, denn leider hatte sie die Legende von der toten Drachenmutter gehört.

Aber wie nur sollte sie das dem kleinen Drachen erklären?

»Weißt du Hardener, manchmal verliert man etwas und das macht einen traurig, aber man findet etwas anderes, etwas super-duper Tolles…so wie…«

»Also, so wie, wenn mir mein grüner Stein in den Fluss fällt und ich suche und suche und dann…finde ich einen blauen.«

»Genau!« Die Fledermaus wollte Hardeners Brüder finden.

Der Drache rollte sich an einem Baumstamm zusammen, alles war sehr anstrengend für ihn gewesen.

»Ich muss noch bisschen jagen, kleiner Feuermacher!«

»Och nö, nö, nö! Was ist jagen?«

»Das lernst du bald!«

»Und kommst du wieder?«

»Ich gehe nur fort, um wiederzukommen. Flugfreunde kommen immer wieder.«

»Bringst du meine Mama mit?« Hardener schloss die Augen.

»Ich bring dir jemand anderen mit«, flüsterte Zuzu, gab ihm einen Kuss und stieg hoch in die Nacht in Richtung „Brennendem Berg“.

 

Hardener hatte, wie es sich für einen Drachen gehörte, einen feurigen Traum:

Der Wald brannte nicht weit entfernt und viele Funken flogen hoch in die Luft.

Ein Funke war aber besonders frech und erlosch nicht wie die anderen, sondern flog direkt auf ihn zu.  Hardener verfolgte die Flugbahn: »Mama!« Da flog der Funke ihm ins Nasenloch.

Das kitzelte so sehr, dass der kleine Drache nieste:

»Ha…ha…hat…schi!«

Das schleuderte den Funken aus Hardeners Nase und

der beschwerte sich prompt: »Hey!«

Hardener staunte: »Was bist du denn?«

Daraufhin drehte sich der Funke wie ein rot-gelber Wirbelsturm um sich selbst, um zu wachsen.

Ein wunderschönes leuchtendes Mädchen stand vor ihm, es leuchtete und glühte: »Ich bin Schandra, die Feuerfee!«

»Du bist wunderschön!« Das war ehrlich gemeint.

Schandra freute sich: »Was machst du denn da so…allein?«

Wieder traten dem Drachen dicke Kullertränen in die Augen:

»Also, ich war ein Ei«, er holte sehr weit aus, »ein blaues und ich war in einer Höhle, ganz allein und ich habe geschlafen und aus Versehen den ganzen Berg angesteckt…aber ich kann gar kein Feuer machen…«, erzählte der Drache aufgeregt.

»Kein Feuer machen?«, Schandra kratzte sich mit ihrer brennenden Fingerkuppe am Kinn.

Hardener weinte: »Huhu! Huuuu!«

Schandra blies mit ihrem Feueratem in ihre Hand und

da lag plötzlich etwas, das war rot und gelb.

»Weißt du nicht, dass es die Blauen Flammen sind, die am heißesten brennen?«

»Boah! Echt?«

»Und hier habe ich etwas für dich, da wird es mit dem Feuermachen absolut klappen.«

Sie streckte ihm die Hand hin.

Er nahm das runde, heiße Ding.

»Das ist eine Feuer-Bohne. Die musst du verschlucken!«

»Echt? Verschlucken tu ich gern. Ich hab eh schon Hunger!«

Und schwupp verschwand die Bohne in seinem Rachen. Hardener spürte, wie die Bohne in seinen Bauch rutschte und sie fühlte sich sehr heiß und sehr magisch an.

Schandra sprach: »Meine kleine, blaue Flamme, dies ist mein Geschenk an dich: Du wirst ein großer und mächtiger Drache, ein Feuermacher, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Gras und Baum, Mann und Maus werden vor dir erzittern. Doch Hardener, wer mächtig ist, der muss auch gnädig sein!

Versprich mir, kleine, blaue Flamme, dass du daran denkst, wie klein und hilflos du einst warst, wenn dich einmal jemand um Gnade bittet.«

 

»Versprochen«, murmelte Hardener, »war lecker! Haste noch?«

 

Jäh wurde der Drache unsanft gerüttelt und geschüttelt, so dass er die Augen öffnete. Da sah er etwas ganz und gar Unglaubliches:

Zwei Drachenkinder-Gesichter, das eine war grün, das andere orange.

»Wer bist du denn?«

Hardener richtete sich auf: »Ich bin die kleine, blaue Flamme!«

Zuzu hing in der Nähe von einem Baum, betrachtete die Szene und schmunzelte.

 

 

 

[1] erfahren/weitsichtig

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