Die Geburt der Blauen Blume
In den Tiefen des Waldes, in den Winkeln der Welt zuckte es.
Ein Sausen und Brausen ging umher.
Damals vor langer, langer Zeit…doch das kann uns egal sein, denn manche Bestimmungen gehen weit über das hinaus, was wir Leben nennen.
Und wenn die Seelen jener, die eine große Bestimmung hatten, wiederkommen, so tun sie dies nicht immer in ihrer wahren Gestalt, aber sobald das Gleichgewicht der Welten es zulässt, werden sie vollkommen neu und in unserem Fall begann das mit einem klitzekleinen Samen.
Niemand wusste, wo das Samenkorn herkam.
Aber weiß man überhaupt jemals irgendwas?
Wo das war? Nun, das wusste man: Im Herrensohrer Wald, anno 1742.
Das Korn war im Humus des Waldes eingelullt und draußen schrie der Winter kalt und finster. Sein Gebrüll trieb Schnee und Dunkelheit vor ihm her.
Irgendwann jedoch schien die Sonne durch die kargen, schwarzen Wipfel. Ihr Strahl fiel bis auf den Grund und verscheuchte die Schatten.
Denn ihr müsst wissen, dass der ganze Wald in Herrensohr ganz und gar verzaubert war und es immer noch ist.
Wie das kam?
Die Sonne kitzelte das Blumenkind: »Blaue Blume, Blaue Blume! Willst du nicht leben?«
»Warum nicht?«
Der Samen streckte sich und ein Spross schlängelte sich
heraus, der war blau wie ein Saphir.
»Willst du nicht wachsen?«, blubberte der Bach.
»Warum nicht?«, flüsterte das Blümchen und schlürfte.
»Und willst du nicht reisen?«, pfiff der Wind.
»Ich fühle, dass ich zum Bleiben bin!«, entgegnete das blaue Blümchen und fuhr seine Wurzeln aus.
»Aber du wirst in Gedanken mit mir gehen und sehen!«
»Was sehe ich denn?«, fragte das Blumenkind.
»Alles!«, antwortete der Wind.
Der Mond ging auf: »Willst du nicht träumen?«
»Kann ich das denn? Wo ich doch nur ein blaues
Blümchen bin!«
»Du bist nicht ein blaues Blümchen, mein Schatz.
Du bist die Blaue Blume und du kannst alles!«
Ich war wutentbrannt. Ich spürte das Feuer, das ich immer gespürt hatte, wenn sie bei mir gewesen war.
Es brannte! Es tat weh!
Dann fiel mein Blick auf seine Hose, die an verräterischen Stellen ausgebeult zu sein schien.
Ihre Stimme in meinem Ohr, ihre Finger zerrten an meiner Schulter. Wen interessierte es?
Ich fixierte erst seine Nase, dann seinen Schritt, ballte die Faust mit der Wut, die ich in den vergangenen Monaten und insbesondere in der letzten, halben Stunde angesammelt hatte.
»Ist das ein Revolver in deiner Tasche?«
Die Hakennase starrte mich an.
»Oder freust du dich nur mich zu sehen?«
Er zuckte noch, bevor ich schlug.
Mein Arm schnellte wie ein Geschoss vor.
Plötzlich stoppte mich etwas, das noch stärker und noch schneller war.
Meine Faust wurde gefangen und zurückgeschleudert Das verstand ich erst nicht, fiel zunächst gegen Nini und als sie sich mir entzog, auf den Boden.
»Lass es!«, brüllte Sebastian mich an. Dann drehte er sich zu dem zitternden Typ hinter ihm. Er ließ erst die Hand sinken und zeigte dann auf den Ausgang.
»Duuuu…verpiss dich!!!«
Die Hakennase nickte und hörte gar nicht wieder auf. Er knallte gegen den Flipper, bevor er in der Menge verschwand.
Ich starrte Nini an, sie war so schön, sie war alles und ich hatte alles verloren.
Sie sah mich an, wie etwas, das man loswerden will.
Es brannte wieder.
»N…n…nini wir waren doch! Wir w…w…waren…!«
Ich streckte die Hand nach ihr aus.
Nun war in ihrem Blick etwas anderes, das noch mehr schmerzte – Mitleid!
»Lutz, das ist lange her!«
Die Lieder war n verklungen und auf dem Zifferblatt
glommen nun die jungen Zahlen matt.
Die Jahreszeiten gingen, die Frühlinge sie springen.
Die Zeit, sie weht vorbei, ihr ist es einerlei, was sein muss, ja, das sei!
Der Regen fiel und grollte, der Wald wuchs,
weil er s wollte.
Wir alle sind gefangen, die Kurzen wie die Langen, wir werden nicht befreit, es nagt der Zahn der Zeit.
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